Design Award für nachhaltige Mode 2026 by VDMD

Designerin Christine Sweers

Vor drei Jahren hatte ich mich bewusst auf eine Nordseeinsel zurückgezogen, um endlich mit dem Konzept für meine eigene Marke zu beginnen. Obwohl ich viele Jahre als Designerin gearbeitet hatte, war das eine meiner größten Herausforderungen. Dass ich nun, nur drei Jahre später, den Design Award für nachhaltige Mode by VDMD 2026 entgegennehmen durfte, bedeutet mir deshalb besonders viel. Denn der Preis würdigt genau die Richtung, in die ich sweersocean von Anfang an entwickeln wollte: Materialien neu zu denken, Gestaltung und Kreislaufgedanken zusammenzubringen und dabei moderne, tragbare Mode zu entwerfen.

Was hinter dem Design Award für nachhaltige Mode by VDMD steckt

Der VDMD – das Netzwerk für Mode- und Textildesign – vergibt diesen Preis, um besondere Designansätze für die Zukunft der Branche zu würdigen. Im Juli 2026 wurden auf der INNATEX Frankfurt neben sweersocean auch die Marken VAUDE, JAN 'N JUNE und WOTE ausgezeichnet. Die vier Marken stehen für unterschiedliche Herangehensweisen und zeigen, wie vielfältig zeitgemäße Gestaltung sein kann.

Die Jury des VDMD Design Awards

 Dass Menschen mit so unterschiedlichen fachlichen Hintergründen auf die Kollektion geschaut haben, macht die Auszeichnung für mich besonders wertvoll. Ausgewählt wurden die Preisträger von einer interdisziplinären Expertenjury. Dazu gehörten Iris Schlomski, Journalistin, Anke Frese-Brammer, Architektin und Mode-Designerin, Vreni Jäckle, Co-Founder von fashion changers, Dr. Thomas Fischer, Leiter Management Research am Deutschen Institut für Textil- und Faserforschung DITF, sowie René Lang, Präsident des VDMD und CEO von designformen.

Recycelte Materialien und die Verwendung vorhandener Stoffe und Ressourcen

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist es, mit unterschiedlichen Materialien zu arbeiten: überwiegend mit Naturfasern, mit vorhandenen wie auch neu produzierten Stoffen. Dabei sind Recyclingfähigkeit und der Kreislaufgedanke von Anfang an Teil des Prozesses. Der VDMD hat sweersocean ausdrücklich für folgenden Ansatz verliehen:

 „sweersocean - innovative Ansätze zum Schutz der Meere und die gelungene Transformation von recycelten Materialien in moderne Fashion“

In der Laudatio von Dr. Jürgen Janssen, Generalsekretär des Rats für Nachhaltige Entwicklung, wurde außerdem die besondere Wertschätzung für das Material hervorgehoben.

„Manchmal beginnt die größte gesellschaftliche und ökologische Veränderung im Kleinen – im präzisen Blick auf das Detail, im ehrlichen Handwerk und in einer tiefen, fast schon philosophischen Wertschätzung für das Material.“

Diese Beschreibung hat mich besonders berührt, weil genau darin für mich die Arbeit einer Designerin beginnt: genau hinzusehen, mich für Materialien zu begeistern und von ihnen beflügeln zu lassen.

Langlebigkeit und ein Rücknahmesystem als Teil des Designprozesses

Für mich endet der Designprozess nicht mit dem Verkauf eines Kleidungsstücks. Schon beim Entwurf interessiert mich, wie es sich über lange Zeit tragen lässt und was passieren kann, wenn es irgendwann nicht mehr getragen wird. Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit gehören deshalb genauso zu meinen Überlegungen wie Schnitt, Material und hochwertige Verarbeitung. Mit dem Rücknahmesystem geht dieser Gedanke noch einen Schritt weiter. Ein Kleidungsstück kann nach seiner ersten Nutzungsphase wieder zu mir zurückkommen. So wird auch das Danach Teil des Konzepts. In seiner Laudatio hob Dr. Jürgen Janssen genau diese Aspekte hervor und sprach von „maximaler Langlebigkeit“ und „durchdachter Reparaturfähigkeit“.

Norddeutsche Wurzeln und die Verbindung zum Meer

Auch wird die Kollektion als von einer „kompromisslos regionalen Identität“ geprägt beschrieben. Für mich ist die Verbindung zum Norden dabei mehr als ein geografischer Bezug. Sie ist Teil der Geschichte von sweersocean und verbindet meine eigene Herkunft mit dem Meer und den Themen, die mich als Designerin beschäftigen und mit der Marke verbinde.

Fleecepulli Frida off-white am Strand

 

Kleidung als wertvolle Lebensbegleiter

Mode darf sich entwickeln, ohne immer schneller werden zu müssen. Ich möchte Kleidung gestalten, die ihren Charakter nicht nach einer Saison verliert. Stücke, die man gerne immer wieder trägt und die Teil des eigenen Stils werden können.In seiner Laudatio sprach Dr. Jürgen Janssen vom „Mut zur Entschleunigung“ und stellte ihn dem schnellen Konsum der Fast-Fashion-Industrie gegenüber. Er beschrieb meine Kleidung als „wertvolle Lebensbegleiter“, was ich als großes Kompliment sehe. Diese Worte treffen meine Idee, einen Gedanken, der für sweersocean sehr wichtig ist: Gute Gestaltung muss nicht laut oder kurzlebig sein. Sie darf bleiben.

Was der Design Award für sweersocean bedeutet

Diese Auszeichnung kommt für mich genau zum richtigen Zeitpunkt. sweersocean ist noch eine junge Marke und in den vergangenen drei Jahren ist viel passiert. Von den ersten Modellen über Pop-ups in Berlin und München bis zum eigenen Showroom in Aachen. Jeder dieser Schritte hat die Marke weiterentwickelt – und auch mich als Gründerin und Designerin.

Der Preis zeigt mir, dass die Ideen hinter sweersocean auch von außen wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Und er gibt mir Rückenwind. Gerade in der Aufbauphase gibt es immer wieder Momente, in denen nicht alles so läuft, wie geplant. Dann hilft mir der Blick zurück: Bisher hat sich nach schwierigen Phasen immer wieder eine neue Tür geöffnet. Der Award ist für mich eine schöne Erinnerung daran, weiterzumachen und zu vertrauen, dass es gut wird.

 

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